1-3 December 2021
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Die Konferenz wird auf Grund der COVID-19 Situation online abgehalten.

Wut, Mut, Angst und Hass– Eine phänomenologisch-feministische Analyse

2 Dec 2021, 09:30
30m
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Speaker

Dr Mareike Kajewski (Universität Hildesheim)

Description

Wut, Mut, Angst und Hass– Eine phänomenologisch-feministische Analyse

Der Vortrag lotet die Rolle von Wut - im Spannungsfeld von Angst und Mut - in ihren gesellschaftlichen und ethischen Implikationen aus. Für das Individuum liegt in der Wut eine Möglichkeit, gesellschaftliche Missstände zu erkennen. Gleichzeitig kann für die Zuschauenden diese Wut grenzenlos und scheinbar ohne Anlass sein. Es ist nicht klar, ob Wut sich auf eine Situation bezieht und diese neutral „auswertet“, oder sich das Gefühl der Wut einstellt, wenn wir uns in Situationen befinden, in denen wir gelernt haben, Wut zu empfinden. Was genau ist Wut und welchen Stellenwert hat sie für die Möglichkeit des Individuums, Erkenntnisse über gesellschaftliche Missstände oder die eigene Position in der Gesellschaft zu erlangen? Ist Wut ein neutrales Gefühl, über das wir die Welt auswerten? Ist sie näher an Angst oder an Hass? Hat sie etwas mit uns selbst und unseren eigenen Werten zu tun oder ist sie von gesellschaftlichen Erwartungen geprägt? In dem Vortrag unternehme ich eine phänomenologisch-feministische Untersuchung der Rolle und der Angemessenheit von Wut für gesellschaftliche Missstände. Die Analyse nimmt sich als Gegenstand die Frage, woher wir wissen können, dass unsere Wut angemessen ist. Hierzu diskutiere ich diese Fragen anhand von zwei feministischen Ansätzen zu einer phänomenologisch-kritischen Gefühlstheorie, die von Sara Ahmed und Agnes Heller.
Als Beispiel sollen feministische Widerstandspraktiken untersucht werden, in denen Wut die zentrale Emotion zur Formierung von Widerstand ist. Dazu sollen feministische Selbstverteidigungspraktiken untersucht werden, in denen die Umwandlung von Angst in Wut zentral ist, wie sie etwa von der Kampfkünstlerin und Selbstverteidigungslehrerin Sunny Graff in ihrem Buch „Mit mir nicht!“, sowie in Elsa Dorlins „Selbstverteidigung - Eine Philosophie der Gewalt“ vorgestellt werden.
Dabei soll nicht nur die Wut allein, sondern mit den phänomenologischen Ansätzen das Feld der Wut in Abgrenzung an Empörung, Zorn, Ärger ausgelotet werden. Im Zusammenhang mit anderen Gefühlen, wie Angst und Mut, werden verschiedene Richtungen der Wut angezeigt, die etwas über die emanzipatorisch oder - auch ihrem Gegenteil - die ohnmächtige Seite der Wut zeigen. Es wird auch darum gehen, die Abgrenzung zu Hass als einem feindlichen Gefühl, und Wut als einem selbstermächtigenden Gefühl herauszuarbeiten.


Dr. Mareike Kajewski promovierte 2017: Thema „Die Spontaneität revolutionären Handelns“. Sie ist wissenschaftliche Mitarbeiterin an der Universität Hildesheim/Institut für Philosophie. Mitglied im „AK Feministische Kritik“. Aktuelle Publikationen: Die Spontaneität revolutionären Handelns, Weilerswirst 2020; „Das Politische im Antropozän –Weltentfremdung und Widerstandspraktiken“; in: AZP, Heft 45.2, Stuttgart- Bad Cannstatt 2020

Primary author

Dr Mareike Kajewski (Universität Hildesheim)

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