1-3 December 2021
Zoom
Europe/Vienna timezone
Die Konferenz wird auf Grund der COVID-19 Situation online abgehalten.

Von Bewegungen lernen: Politische Solidarität als intersektionale, kollektive und widerständige Praxis denken

2 Dec 2021, 12:00
30m
Zoom

Zoom

Speakers

Tarek Shukrallah (Humboldt-Universität zu Berlin) Inga Nüthen (Philipps-Universität Marburg) Dr Denise Bergold-Caldwell (Philipps-Universität Marburg)

Description

Von Bewegungen lernen: Politische Solidarität als intersektionale, kollektive und widerständige Praxis denken

Solidarität stellt eine Grundbedingung gesellschaftlicher Kämpfe dar, um gesellschaftliche Veränderungen zu adressieren und Gleichstellung gemeinsam zu erreichen. Die Idee, gemeinschaftlich gesellschaftsrelevante Veränderungen anzustoßen, steht jedoch vor mehreren Herausforderungen. Einerseits lässt sich fragen, wie vor dem Hintergrund einer individualisierenden Herrschaftsordnung überhaupt gemeinschaftliche Ziele anvisiert werden können. Andererseits entsteht die Herausforderung, unterschiedliche Subjektpositionen, Begehrensordnungen und Sorgeökonomien in einer solidarischen Haltung zu beachten. Gerade derzeit – in der weltweiten Bedrohung durch das Corona Virus – steht die Rede von Solidarität als moralischer Maßgabe und ‚neuem‘ gesellschaftlichen Modus hoch im Kurs. Gleichzeitig lässt sich eine Verschärfung sozialer Ungleichheit beobachten und die geforderte gesellschaftliche Solidarität wird hoch selektiv und individualisiert gedacht. Die Regeln zu Pandemiebekämpfung, #stayathome-Appelle und Impfpolitiken adressieren ökonomisch und geo-politisch privilegierte, heteronormative, weiße Lebensweisen der Mehrheitsgesellschaft, während rassistische Migrationsregime, ökonomische Ungleichheiten und globale ökologische Katastrophen weiter als Einzel-Schicksale dethematisiert werden, die mit dem großen Ganzen wenig zu tun haben.
Afropessimistische (Sharpe (2015); Wehelieye (2016); Wilderson (2007)); post- und dekoloniale (Lugones 2016); queerfeministische (Butler 2008) Ansätze und kritische Migrationsforschungen (Guttíerez-Rodíguez 2018) haben seit langer Zeit darauf verwiesen, dass solidarisches Handeln dort ansetzen muss, wo Herrschaftslogiken uns in heutige Subjektpositionen subjektiviert haben. Aus afropessimistischer Perspektive bedeutet dies, die Weltordnung und Subjektkonstellationen in ihr als Formation zu analysieren, die auf Sklaverei und ihren Zusammenhang mit der ökonomischen Ordnung basiert. Schwarze und nicht-hegemoniale queere Subjekte lassen sich darin einzig als Positionen verstehen, die in hegemonialen Ordnungen nicht existieren. Deren hegemoniale Nicht-Existenz verdeutlicht sich erneut in der Corona-Krise, weil sie wenig bis gar nicht bedacht werden, noch werden Maßnahmen zu tiefgreifenden Veränderungen getroffen, die diese Subjekte, die Natur und die Umgebung schützen.
Vor diesem Hintergrund wollen wir fragen, was Solidarität bedeuten kann und muss, um Subjektivierungsweisen innerhalb und gegen hegemoniale Ordnungen, Natur- und ökonomische Verhältnisse zu adressieren und zu verändern und dabei gleichzeitig Relationalität und gesellschaftliche Verletztlichkeit zum Ausgangspunkt zu nehmen. Unsere Frageperspektive richtet sich dabei auf Konzepte, die von einer ‚Intersektionalität der Kämpfe‘ (Davis 2017) ausgehen. Anhand von drei bewegungspolitischen Beispielen (schwul-lesbisch und queere Klassenpolitiken // schwarze feministische Perspektiven // aktuelle, widerständige Praxen der Migrantifa-Bewegung) plädieren wir für eine Konzeption von Solidarität, die sich als politische Solidarität über das utopische Begehren nach einem besseren Leben für alle konstituiert. Unsere These ist, dass sich in der Verbindung dieser bewegungspolitischen Erfahrungen Solidarität als kollektive, intersektionale und widerständige Praxis denken lässt.


Tarek Shukrallah (B.A.) ist Politikwissenschaftlerin und Aktivistin in sozialen, migrantischen bzw. antirassistischen sowie queeren Bewegungen und betreibt die digitale skill-sharing-Plattform partizipieren.org. Aktuell studiert Tarek Shukrallah gefördert durch die Rosa Luxemburg Stiftung Global Studies an der Humboldt-Universität zu Berlin.

Inga Nüthen, Dipl.-Pol., ist wissenschaftliche Mitarbeiter*in am politikwissenschaftlichen Institut der Philipps-Universität Marburg im Arbeitsbereich Politik und Geschlechterverhältnisse. Ihre Interessensschwerpunkte sind queer_feministische, politische Theorien, queere Klassenpolitiken sowie intersektionalitäts- und geschlechterbewusste (digitale) Lehre/Bildungsarbeit.

Denise Bergold-Caldwell, Dr. (phil.)ist wissenschaftliche Referentin am Zentrum für Gender Studies der Philipps-Universität Marburg. Die Interessenschwerpunkte der promovierten Erziehungswissenschaftlerin liegen in schwarzer feministischer, kritischer post- und dekolonialer, sowie in Bildungstheorie(n).

Primary authors

Tarek Shukrallah (Humboldt-Universität zu Berlin) Inga Nüthen (Philipps-Universität Marburg) Dr Denise Bergold-Caldwell (Philipps-Universität Marburg)

Presentation Materials

There are no materials yet.