1-3 December 2021
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Abgesagt: Dis_Possessing the (queer) body for the Chthulucene?! Konturierungen einer queeren Politik_ Identität jenseits eines liberalen Proprietarismus

3 Dec 2021, 09:30
30m
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Speaker

Dr Christine M. Klapeer (Georg-August-Universität Göttingen)

Description

Dis_Possessing the (queer) body for the Chthulucene?! Konturierungen einer queeren Politik_ Identität jenseits eines liberalen Proprietarismus

Der Slogan „Mein Körper gehört mir“ gehört mithin zu den wichtigsten Forderungen, die weltweit von feministischen Bewegungen artikuliert wurden und werden. Und auch aktuell nehmen Bezüge auf den eigenen Körper „als Eigentum“ einen wichtigen Stellenwert in queeren, trans und inter Kämpfen ein, um Rechte auf sexuelle und geschlechtliche Selbstbestimmung und körperliche Integrität einzufordern. Umgekehrt fordern posthumanistische Ökologien mit ihrem Fokus auf „interconnectedness“ und „natureculture-entanglements“ (Haraway) Vorstellungen eines (körperlichen) „Selbstbesitzes“ heraus und erweitern demnach auch „ältere“ feministische und materialistisch-kommunitarische Kritiken am (liberalen/libertären) Konzept von „Selbsteigentum“ als Grundlage eines individualisierenden, kommodifizierenden, vergeschlechtlichten, rassisierenden und ver-andernden Selbstverhältnis und konstitutivem Moment der kolonialen Moderne. Wie beispielsweise Donna Haraway deutlich macht, „besitzen“ Menschen ihre Körper nicht, sondern leben in komplexer Gemeinschaft als „companion species“ mit u.a. Bakterien, Viren, Pilzen in ihrem Körper bzw. werden sie von diesen nicht zuletzt auch „vastly outnumbered“.
Im Zentrum meiner Auseinandersetzung steht daher die „machtvolle politische Fiktion“ (Anne Phillips) „Selbsteigentum“ sowie damit verbundene Spannungsverhältnisse zwischen Forderungen und Kämpfen für LGBTIQ-Rechte und einer ökologischen Imagination/Realisierung/ Praxis dessen, was Donna Haraway als Chtulucene bezeichnet – „[as] ongoing multispecies stories and practices of becoming-with“: Wie können queere, trans und inter* Vulnerabilitäten und Ent-Eignungen benannt, politisiert und verhindert werden, ohne die Welt, Perspektive und Praxis eines (selbsteigentumskritischen) Chtulucene zu verlassen? Inwieweit wird eine ökologische und solidarische queere Politik gerade erst durch eine radikale Abkehr von Logiken des „Selbsteigentums“ ermöglicht?
In Rückgriff auf posthumanistische Ansätze (Haraway), „ältere“ feministische und kommunitaristische Arbeiten (u.a. Phillips) sowie Judith Butlers und Athena Athanasious Plädoyer für eine Anerkennung von „Dispossession“ möchte ich in meinem Vortrag daher einige Konturierungen einer queeren Politik_Identität jenseits eines liberalen Proprietarismus skizzieren. Dabei werde ich diskutieren, inwieweit eine Neukonzeption des für kapitalistische und „naturzerstörerische“ Gesellschaften konstitutiven Zusammenspiels von „Sein“ und „Haben“, von „Selbst“ und „Eigentum“, von „Identität“ und „Aneignung“, zentraler Gegenstand queerer Transformationsbestrebungen sein muss, wenn aktuelle, u.a. im Zuge der Friday for Future artikulierte, ökologische Forderungen nach einem „No pride on a dead planet“ ernst genommen werden sollen.


Dr. Christine M. Klapeer ist Politikwissenschaftlerin. Ab/seit Herbst 2021 leitet sie den Arbeitsbereich „Internationale Geschlechterpolitik“ an der Universität Kassel. Sie forschte und lehrte an zahlreichen Universitäten wie u.a. der York University, Central European University, Universität Wien und Göttingen. Ihre aktuellen Forschungsschwerpunkte liegen im Bereich post-/dekoloniale und queere politische Theorien, der Verhandlung von LGBTIQ*-Rechten in der Entwicklungspolitik, sowie utopisch-queeren Re-Perspektivierungen des Verhältnisses von self-ownership und politischer Subjektivität.

Primary author

Dr Christine M. Klapeer (Georg-August-Universität Göttingen)

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