1-3 December 2021
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Die Konferenz wird auf Grund der COVID-19 Situation online abgehalten.

Becoming More. Binti – oder feministische afrikafuturistische Science Fiction als imaginativer Beitrag zur Theoriebildung

3 Dec 2021, 09:00
30m
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Speaker

Dr Dagmar Fink ('freie' Wissenschafterin, Wien)

Description

Becoming More. Binti – oder feministische afrikafuturistische Science Fiction als imaginativer Beitrag zur Theoriebildung

Unter anderem die Problematisierung von Dualismen als Grundlage von Herrschaftslogiken motivierten Donna Haraway u.a. seit den späten 1980er Jahren zur Thematisierung der Auflösung kategorialer Grenzen zwischen Mensch, Tier und Maschine. Haraways Bild der Cyborgs und später der Gefährt:innen oder Companion Species verfolgen konsequent eine Dezentrierung des Menschen wie auch die Suche nach unterschiedlichsten materiell-semiotischen Akteur:innen. Wenn Haraway in ihren letzten Texten von „multi-species-becoming-with, multi-species comaking“ spricht, geht es ihr über die Konzeption des gemeinsamen Entstehens und Werdens hinaus um das immer schon mehr als Eine:r Seins – was Trinh Minh-ha aus postkolonialer Perspektive als „difference within“ und mit den unendlich vielen Schichten eines „Ich“ beschreibt.
In der feministischen und afro- bzw. afrikafuturistischen sowie postkolonialen Science Fiction (SF) werden die Verhältnisse von Selbst und Anderem sowie die Verwobenheit mit Vielen und das gemeinsame Werden spekulativ erkundet. Haraways theoretische Überlegungen dienen mir als Folie für ein Close Reading der Kurzgeschichten-Trilogie „Binti“ (2015-2019) der nigerianisch-amerikanischen SF-Autorin Nnedi Okorafor. Im Vortrag werde ich also nicht Haraways Theorie referieren, sondern mithilfe der von mir weiterentwickelten Methode eines queer-feministischen, antikolonialen und rassismuskritischen Close Reading darstellen, in welcher Weise die Protagonistin – Binti – in dieser Erzählung mit anderen auf vielfältige Weise mehr als Eine und mehr als menschlich wird: Nicht nur ist sie qua Geburt multi-ethnisch, ihr Werden eng verbunden mit Pflanzen sowie dem Land, auf dem sie lebt, im Verlauf der Geschichte vermischt sie sich mit einer anderen, medusenhaften Spezies und werden Teile ihres Körper mithilfe der Mikroben eines organischen Raumschiffes rekonstruiert, sie ist mit diesem daher physisch und materiell verbunden. Dies hat auch Konsequenzen für ihr geschlechtliches, sexuelles und rassifiziertes Werden. Okorafor stellt hier also gerade kein Becoming ‚Other‘ und auch mehr als ein Becoming With, sondern vor allem ein Becoming More dar. Im Vortrag werde ich daher gerade auch den kreativen, imaginativen Beitrag der Science Fiction zur Theoriebildung ausloten.


Mag.a Dr.in des. Dagmar Fink,Studium der Amerikanistik in Frankfurt am Main, Promotion im Fach Gender Studies an der Universität Basel zum Thema ,Implodierende Dualismen und die performative Kraft des Erzählens. Cyborg-Vorstellungen bei Haraway und in den SF-Feminismen“; seit 2000 Lehrbeauftragte an verschiedenen Hochschulen in D-A-Ch, Mitgründerin und im Beirat des Verbands feministischer Wissenschafter*innen sowie Obperson der ÖGGF. Darüber hinaus Übersetzerin wissenschaftlicher Texte, seit 1996 vorwiegend im Kollektiv gender et alia, seit 2019 außerdem Co-Leitung von Queertactics -queer_feministisches Filmfestival Wien.

Primary author

Dr Dagmar Fink ('freie' Wissenschafterin, Wien)

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